Bremen
Artur Weigandt findet, dass Wahrheit wehrhaft ist
Ansprechpartner*in
Christiane Seeger
Artur Weigandt (rechts) und Moderator Eduard Klein (links) im Gespräch.
Lesung und Podiumsdiskussion zum Buch "Für euch würde ich kämpfen - Mein Bruch mit dem Pazifismus".
Am fünften Jahrestag von Prigoschins Marsch auf Moskau fanden sich circa zwei Dutzend interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer im EuropaPunkt Bremen ein, um mit Artur Weigandt über den Krieg in der Ukraine zu diskutieren. Der Journalist und Schriftsteller (32) ist in Kasachstan geboren und im Emsland aufgewachsen. Er hat die Deutsche Journalistenschule absolviert und schreibt für die FAZ und Welt.
Im Sommer 2023 nahm er als Sprachvermittler an einer Ausbildungsmission ukrainischer Soldaten in Deutschland teil. Dieses sei „wie in Echtzeit (zu) redigieren“ gewesen, so Weigandt. In diesen vier Monaten wurde er vom Pazifisten zum Aktivisten, sammelte Spenden und fuhr an die Front. Seinen inneren Dialog zum Bruch mit dem Pazifismus verarbeitete er in seinem Buch „Für euch würde ich kämpfen“.
Er weist darauf hin, dass die Diskrepanz zwischen den realen Erfahrungen an der Front und den Diskussionen in Deutschland nicht größer sein könne. Wir sollten „realisieren, dass wir nicht in einer Wohlfühlblase leben“, meint der Autor. Er wirft dem Journalismus vor, den Aggressor nicht zu benennen. Diese vermeintliche Objektivität sei False Balance. Russland will nicht nur die Landfläche der Ukraine einnehmen, sondern seine Kultur vernichten. „Propaganda ist die tödlichste Waffe Russlands“ in diesem Krieg.
Die anschließende Debatte drehte sich unter anderem um die Wehrpflicht, deren Modell Weigandt als aus dem vorigen Jahrhundert stammend ansieht. Er würde das Alter breiter auffächern und Vergünstigungen für bestimmte Berufsgruppen wie Ingenieure und Mechaniker empfehlen. Doch zur Änderung sei eine parlamentarische Mehrheit notwendig.
Sein dystopischer Traum von einem russisch okkupierten Berlin im Buch sei ein fiktionaler Griff, um Emotionalität hervorzurufen, sagt Weigandt. Er hatte das nicht wirklich geträumt. Aber er findet, man würde manchmal in Situationen gezwungen, in denen man keine Entscheidungen mehr treffen könne.
Der DJV Bremen war Kooperationspartner dieser Veranstaltung.